Das Holymoly ist ein Magazin, das sich mit den Prominenten und deren Schlagzeilen befasst. Nachdem ein direktes Gespräch mit den Wombles, bezüglich ihrer Skandale in den Siebziger Jahren, unterbrochen wurde konnte Reporter Tim Chipping den Komponisten Mike Batt zu einem Interview bewegen.

Hier unsere Übersetzung des Artikels (mit freundlicher Genehmigung)

Artikel im Onlinemagazin Holymoly

06/12/2011 – Tim Chipping – www.holymoly.co.uk

Wir mögen nicht in der Lage gewesen sein etwas aus den Wombles selbst herauszukitzeln, aber wir hatten eine lange Unterredung mit Mike Batt, dem Mann, der deren überraschend anspruchsvolle Songs schrieb und insgeheim die Stimme ihrer Hits war (zehn in zwei Jahren!). Wir hatten eine Menge Fragen zu stellen und er hatte viel zu sagen. Daher ist dieses Teil ein wenig lang. Aber es ist ein Killer und kein Füllmaterial. „Top Of The Pops“ Anekdoten ahoi!

Hi Mike. Wie haben die Theorie, wenn es sich um eine richtige Band gehandelt hätte und Du die Wombles Songs über Autos und Mädchen geschrieben hättest, anstatt über Müll, dann würden sie nicht noch immer als eine der besten Gruppen der 70er Jahre angesehen werden.

„Ich fühle mich geschmeichelt, dass Ihr so darüber denkt. Es ist wohl klar, dass ich damals von großen Bands wie den Beatles oder den Stones beeinflusst war. Ich wurde auch von den Sonntagnachmittagsfilmen mit Fred Astaire beeinflusst. Ich hatte schon immer einen Musikgeschmack, der ein großes Spektrum abdeckte. Das Tolle, was wir mit den Wombles hatten – Ich sage es, als ob wir eine Band gewesen waren. Nunja eigentlich waren wir auch eine Band – ist, dass wir immer frisch klangen und beliebig unseren Stil wechseln konnten. Andere Bands wie Mud oder The Sweet, mit den wir konkurrierten, mussten ihren Stil beibehalten, weil er ihrer Identität entsprach. Mit den Wombles nahmen wir knapp 50 Songs auf und mussten daher ständig mit neuen Ideen aufwarten. Für mich war das immer sehr interessant und wenn es interessant für mich war, dann hoffe ich, dass es das auch für andere Leute war.“

Ihr habt Euch eher an die mehr symphonische und anspruchsvolle Seite der Beatles angelehnt und wart auch nicht weit von dem entfernt, was ELO machte….

„Ich denke, wir haben uns etwas abschaut – zum Beispiel schauten wir uns etwas von Rick Wakeman ab. Wir nannten es „The Myths and Legends of King Merton Womble and His Journey To The Centre Of The Earth“, weil er schon „King Arthur“ und auch „Journey To The Centre Of The Earth“ hatte. Ich machte es sehr pompös und überkandidelt. Aber es gefällt uns anzunehmen, dass wir gut darin waren uns Dinge zu entleihen.

„Für mich, als junger Kerl in den frühen Zwanziger, was auch ein Do-It-Yourself Kurs in Sachen Songarrangement. Meine große Leidenschaft war das singen, produzieren und arrangieren. Und ich hatte soviele Gelegenheiten es zu variieren wenn ich, sagen wir für David Essex oder jemanden Anderem, mit der Erfolgsformel herumspielte.“

Man kann Deine Liebe zu der 60er Popmusik in den Womblessongs heraushören. Da gibt es Verbeugungen vor den Beach Boys, den Kinks und den Small Faces.

„Mit diesen Leuten bin ich aufgewachsen und respektiere sie. Small Faces, von denen war ich ein großer Fan. Ich glaube nicht, dass ich sie vorsätzlich imitierte weil man eine Stimme wie die von Stevie Marriot braucht um soetwas zu schaffen. Ich wurde auch sehr von den Beatles beeinflusst, wer war es nicht? Es ist beinahe zu viel für ein Zugeständnis in einem solchem Interview. Aber als wir damals auf der Höhe des Ruhms zwischen 1975 und 1976 waren, auch wenn wir in Womblekostümen waren, fühlten wir uns ein wenig wie die Beatles, allerdings auf eine haarige, entfernte und pathetische Weise.  Aber es war etwas tolles in einer Band zu sein, die regelmäßig bei „Top Of The Pops“ (TOTP) war und herauszuspringen, auch wenn niemand wusste, wer zur Hölle im Kostüm steckte. Es war eine traumähnliche Erfahrung wenn man jetzt zurückblickt.“

„Ich mag es wenn Leute sagen, hätte es die Wombles nicht gegeben, dann wären sie nicht die Beach Boys derer Generation gewesen, oder was auch immer. Ich liebe das, weil es eine Bestätigung der Qualität ist, die ich erzielen wollte. Aber es gibt auch keinen Zweifel, dass der Fakt, dass das große „W“ über jedem Song hängt, bedeutet, dass man uns immer als Kinderkram ansehen würde. Es sei denn man entfernt sie regelmäßig, entstaubt sie und hört sie dann wieder an.“

Wie hast Du den Wombles Job bekommen?

„Ursprünglich sollte ich nur ein musikalisches Thema schreiben als einen Song abzuliefern. Ich war als Künstler engagiert, arbeitete aber als A&R-Mann bei „Liberty UA“. Ich verließ den Laden und versuchte meinen Lebensunterhalt zu verdienen indem ich Jingles für „Smarties“ und „Guiness“  und solche Sachen komponierte. Ich hatte eine Agentin, die mich ab und zu anrief und sagte „kannst Du dies oder das tun?“. Einmal sagte sie „Ich mache dieses Dings namens „The Wombles“ für die BBC“. So begleitete ich sie und traf Ivor Wood, den Animator und er sagte: „Ich hätte irgendwas, dass womblig klingt…“ So sagte ich: „Warum machen wir nicht einfach einen Song, denn dann können wir die Charaktere und das alles erwähnen.“

„Es gelang mir aber für Monate nicht, einen Plattenvertrag zu bekommen. Ich bekam keinen Termin mit dem Marketing Direktor bei „CBS Records“. Daher bat ich meine Mutter, mir ein Womblekostüm zu machen. So machte sie also dieses Womblekostüm und ich trug dieses Womblekostüm jeden Montagmorgen und blieb in diesem Womblekostüm, außer zum Schlafen, bis zum Samstagabend. So verbrachte ich sechs Tage die Woche im Womblekostüm, fuhr mit dem Zug nach Birmingham, Manchester. Und wo immer ich auch hinkam bekam ich viel Aufmerksamkeit. Und das, obwohl niemand wußte, was ein Womble ist. Und ich ging zu BRMB Radio, weil man das damals einfach tun konnte. Sie sagten: „Oh, dieses mäuseähnliche Ding ist gerade mit einer Schallplatte reingegangen.“

Und sie interviewten mich und spielten die Aufnahme ab. Nach einer Weile, wurde in der der CBS Zentrale registriert, dass knapp hundert Platten in Birmingham verkauft wurden, an dem Tag, als ich dort aufkreuzte. So dachte ich, „Wenn ich jeden Tag woanders hingehe kann ich jeden Tag hundert Platten verkaufen.“ Und so ist es dann auch gewesen.“

Wie wäre Deine Karriere, deiner Meinung nach, verlaufen bevor das passierte?

„Nun, ich wollte immer eine Art Cat Stevens Typ sein. Nicht im religiösen Sinne, sondern ich wollte eher ein Solo-Beatle sein. Ich wollte ein Popstar sein, ein Sänger und Songschreiber. Und ich verbrachte mein Leben damit darauf hinzuarbeiten, aber in verschiedenen Verkleidungen und unterschiedlichen Strategien. Zurückblickend hatte ich wohl eine sehr abwechslungsreiche Karriere und ich habe alles genossen. Es ist ulkig, man arbeitet auf eine Sache hin und erreicht ein anderes Ziel. Wenn man aber darüber grübelt, wieso man das eigentliche Ziel nicht geschafft hat ist man nur ein mieser Bastard. Man sollte die Dinge genießen, die stattdessen auf einen zukommen.“

Standest Du unter Druck um weitere Wombles Songs zu komponieren?

„Die Leute, die das Kinderprogramm machten, waren nur an diesem einen Song interessiert und spielten auch immer nur diesen einen Song, als Anfangs- und Schlussmusik. Die anderen Songs wurden wegen der Nachfrage geschrieben. Der Leiter der Plattenfirma rief mich an und sagte: „Wir brauchen eine neue Platte. In sechs Wochen.“ Und ich hatte noch nicht einmal mit dem Schreiben angefangen. Aber ich habe Abgabetermine schon immer gemocht. Die machen mich aktiv und versetzen mich gleichzeitig in Panik – alles, was ich brauche um kreativ zu sein. Niemand hatte die Zeit, mit zu sagen, was sie überhaupt von mir geschrieben haben wollten. Ich hatte eine Menge Spaß mich nach Inspirationsquellen umzusehen.“

„Ich dachte: „Ich werde was Mozartartiges machen: Minuetto Allegretto.“ Ich fragte mich, ob ich es mir schnappen könnte und Text hinzufügen könnte. Das machte ich dann. Dasselbe mit „Wombling White Tie & Tails“. Ich dachte: „Wäre es nicht super wenn ich für ein großes, verdammtes Hollywood Orchester schreiben würde?“. Und da es sich gut verkaufte, machte es der Plattenfirma nichts aus.“

„Tatsächlich hat sich kein Album nicht verkauft. Nach acht Nummer1-Singles überlegte ich bei der neunten „Eigentlich habe ich genug Songs für ein Lebenswerk geschrieben.“ Und das habe ich dann ständig jedem unter die Nase gerieben. Zwei Jahre sind eine lange Zeit, besonders wenn man lieber Cat Stevens wäre.“

„Ein paar andere Sachen passierten. Ich hatte keine volle Kontrolle über das Copyright. Es gab ein paar wirklich üble „Pantomimen“, die von den Copyright Inhabern eingesetzt wurden, die mich schließlich so verärgerten, dass ich nicht weitermachte. Inzwischen sind wir aber wieder Freunde und haben eine gemeinsame Kontrolle über die Wombles und alles, was wir mit den Wombles machen werden wird uns hoffentlich etwas bescheren, mit dem wir alle zufrieden sind. Das ist immer noch bessser als dass etwas mit den Wombles passiert, was ich nicht unter Kontrolle habe.“

Es gibt eine Legende, dass bei einem Auftritt bei TOTP die Leute in den Womblekostümen die Folkrock Superstars „Steeleye Span“ waren. Was ist da passiert?

„Es passierte in dieser Zeit als wir die Platte für TOTP im Studio neu einspielen mussten. Der Typ von der Musikergewerkschaft kam rüber aber ich befand mich gerade in den Air Studios und war gerade mittendrin das Nachfolge Album von Steeleye Spans „All Around The Hat“ aufzunehmen. Also sagte ich: „Das ist eine lächerliche Regel. Ich kann doch nicht aufhören am Album von Steeleye Span zu arbeiten um mit ein paar Studiomusikern ein neues Playback aufzunehmen.“ So fragte ich also Steeleye Span: „Würde es Euch etwas ausmachen, wenn Ihr für mich die Aufnahmen für „Superwomble“ machen würdet?“ Sie sagten: „Kein Problem, wir werden unseren Spaß haben.“ So brachte ich ihnen also die Akkorde bei. Plötzlich kam der Typ von der Gewerkschaft rein – wir nannten ihn „Doktor Tod“. Heutzutage sind diese Leute bei der Gewerkschaft nicht mehr so – es sind alles nette Leute. Aber damals waren es Bastarde.  So nahmen wir also auf und der Typ sagte: „Könnten Sie bitte dieses Formular mit ihren Namen ausfüllen?“ Und die Band sagte: „Wir sind nicht sicher, ob wir das wirklich tun wollen.“ Und er sagte: „Nun, das müsst Ihr aber damit wir wissen, dass dieselben Leute in der morgigen Show in den Kostümen stecken.“

„Und sie guckten mich an als ob sie sagen wollten: „Wo hast Du uns nur mit hineingezogen?“ Ich sagte daher: „Leute, das tut mir leid…aber was ist so schlimm dran?“ So fuhren wir sie also in das Kensington Hilton Hotel, im Süden vom Holland Park, und steckten sie in die Kostüme mit Kopf und allem drum und dran. Dann besorgten wir eine Limousine mit abgedunkelten Fenstern, packten sie rein und düsten zum BBC TV-Zentrum, zu Top Of The Pops, direkt ins Studio. Sie traten auf – immer mit den Köpfen auf – eilten wieder in die Limousine, zurück ins Hotel und niemand hat mitbekommen, das sie es waren.

„Grossonkel Bulgaria mit der großen Hohner Harmonica war Pete Knight. Der Gitarrist war Bob Johnson, der Drummer war Nigel Pegrum, Rick Kemp war da. Aber ich meine, dass Maddy Prior nicht dabei war. Es waren nur die Jungs.“

Als Du „Bright Eyes“ (für den Film „Watership Down“) schriebst. Dachtest Du da, „Meine Karriere besteht nur noch aus pelzigen Viechern, die in Löchern wohnen“?

„Ha ha ha ha. Die Chancen sind manchmal wirklich seltsam. Ich muss sagen, dass ich wohl irgendwie im Land der Tiere gefangen bin. Aber nicht nur das, es gibt auch andere Dinge. Snarks. Obwohl Snarks wohl nicht unbedingt pelzig sein müssen. Trotzdem scheint es als ob ich öfters mit Tieren zu tun habe.“

Hat es Dich schon einmal angeödet nur als der Womble-Mann bekannt zu sein?

„Nur für einige bestimmte Dinge. Manchmal denke ich mir, dass es eine gute Arbeitszeit war, diese zwei Jahre. Und auch wenn die meisten Kritiker es verstehen, einige tun es nicht. Manchmal denke ich auch, dass Leute meinen: „Ich wünschte meine Lieblingsband würde gespielt werden, anstatt dieser Leute, die als haarige Monster auftreten.“ Aber je weiter wir uns davon entfernen, desto mehr weiß ich das würdigen. Wir genießen heute ein größeres Ansehen als wir es damals hatten.“

Hat auch der Umstand geholfen, dass Du jetzt eher als der Katie Melua Mann angesehen wirst?

„Es hat geholfen, dass „Bright Eyes“ passierte. Es half als Vanessa Mae passierte. Ich möchte nicht sagen, dass jeder Alles mag was ich tat, aber es gibt nun eine ausreichende Distanz zu den alten Womble-Tagen und ich habe genug Dinge getan um dafür in Erinnerung zu bleiben. Ich  blicke auf die Wombles als ein Teil zurück, dessen was ich bin, aber nicht dass sie Alles sind, was ich bin. Es waren halt nur zwei Jahre meiner 40-jährigen Karriere.“

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