Mike Batt, Komponist, Arrrangeur und Entdecker von Katie Melua verdankt seinem Ruhm einer kurzen Zeit von zwei Jahren, in denen er Womblesongs komponierte und mit der Popgruppe „The Wombles“ zahlreiche Hits produzierte. Hätte er nicht den Auftrag zum komponieren der Titelmelodie erhalten wäre sein Leben anders verlaufen. Der Tod der Wombles-Schöpferin Elisabeth Beresford veranlasste ihn einen Nachruf zu schreiben.

Nachruf auf Elisabeth Beresford

geschrieben von Mike Batt

31. Dezember 2010

Mike Batt

Elisabeth Beresford, Autorin, Moderatorin und Erfinderin der Wombles, starb am heiligen Abend 2010 im Alter von 84 Jahren.

Mit meiner Entschuldigung für meine beiden Frauen (überwiegend meine aktuelle!), die mein Leben in ihrer Weise geformt haben, kann ich nicht bestreiten, dass Elisabeth mein Leben dramatisch und unumstößlich verändert hat. In den späten Sechzigern, lange bevor ich sie kannte, erträumte sie sich die Wombles während sie mit ihren Kindern Marcus und Kate über die Gemeindewiese „Wimbledon Common“ apzieren ging. Eines der Kinder sprach das Wort „Wimbledon Common“ falsch aus und nannte die Wiese „Wombledon Common“.

Als sie nachhause kamen, listete Liza (wie wir sie immer nannten) alle Womble-Charaktere auf, die alle die Züge von Mitgliedern der Familie bekamen. In ihrer Vorstellung hatten sie keine spitzen Nasen und graues Fell. Das kam erst später als der fantastische Puppenanimator Ivor Wood (bekannt für „Magic Roundabout“, „Paddington Bär“ und „Postman Pat“) den Look für die BBC TV-Serie festlegte. Damals waren sie einfach nur….Wombles. Sie sollten im Untergrund leben und nur dann rauskommen, wenn es nicht sehr wahrscheinlich war, von Menschen gesehen zu werden. Und sie sollten all den Müll, den die Menschen hinterließen, in nützliche Dinge ihres täglichen Lebens verwandeln.

Das erste Buch „Die Wombels“ erzeugte eine Welle von Interesse und wurde in einem TV-Programm namens „Jackonary“ vorgestellt. Daraufhin bestellte die BBC eine Serie von fünfminütigen Wombles-Episoden, die sich an Vorschulkinder richteten, jedoch sehr davon profitierten, dass Bernard Cribbins die Geschichten erzählte und dass die Folgen direkt vor den Sechsuhrnachrichten gesendet wurden, einem Zeitpunkt, an dem normalerweise die ganze Familie vor dem Fernseher hockte.

Ivor Wood musste die Wombles umgestalten, da sie in den ersten Buchillustrationen als einfache Teddybären dargestellt wurden. So bekamen sie also ihre bekannten spitzen Nasen, Hüte und Schals um die einzelnen Figuren zu unterscheiden wie Bungo, Orinoco, Wellington, Tobermory, Großonkel Bulgaria, Madame Cholet und Tomsk. Ivor hatte richtig erkannt, dass sieben Figuren für die Vorschulkinder ausreichten.

Ich wurde ins Spiel gebracht um die Musik zu schreiben. Ich wurde von Ivor Wood und Grahame Clutterbuck, dem Managing Director von Filmfair Ltd, den Produzenten, gefragt, ob ich nicht eine Titelmelodie schreiben könne. Ich schlug vor, dass ein richtiger Song besser sei, da man dort bereits den Begriff Womble einführen konnte und es so einprägsamer machen konnte. So lieferte ich also „The Wombling Song“ ab (und wurde nebenbei noch der Erfinder des Verbes „wombling“, welches im ersten Buch nicht vorkam). Die Firma mochte es und bot mir eine Vergütung an. Ich sagte, dass ich es vorziehen würde, wenn man mir die Figurenrechte für Promotionauftritte und Plattenaufnahmen übertragen würde. Sie dachten, dass dies fair sei und das nichts dabei sei.

So nahm ich also ein Album auf und hatte größte Schwierigkeiten dieses an eine Plattenfirma zu verkaufen. Es ist eine lange Geschichte, über die ich schon oft an anderer Stelle geschrieben habe. Aber es führte dazu, dass ich die Wombles Popgruppe gründete und damit soviele Hits hatte, dass wir, nach Music Week Magazine, die Gruppe mit den meisten Singleverkäufen in 1975 wurden, mit mir als Orinoco, dem Hauptsänger und den Anderen, die ebenfalls in Kostümen steckten, die meine Mutter gemacht hatte.

Auch wenn die Wombles nur zwei Jahre in meiner bis dato 42jährigen Karriere einnahmen, so werde ich immer noch als der „Mann hinter den Wombles“ tituliert. Ein Fakt, von dem ich mir vorstellen kann, dass es Liza ziehmlich irritiert haben musste, so wie es mich auch mehr oder weniger befremdet hat (sie hat es nie gezeigt). Ich sah mich immer als der Mann VOR den Wombles, als der Sänger und Songwriter.

Elisabeth Beresford und Onkel Bulgaria

Es gab in den ersten Tagen des Womble-Erfolgs viele Gespräche und Diskussionen zwischen Lizas Firma „Wombles Ltd.“ und mir. Die kombinierte Kraft der Bücher, der TV-Serie und der Popgruppe hatte die Wombles in die Herzen der Leute katapultiert und machten sie zu einem nationalen Phänomen.
Ich war nicht immer einverstanden mit den Entscheidungen von „Wombles Ltd.“. Es waren nicht Lizas Entscheidungen sondern die von zwei Geschäftsleuten, die „Wombles Ltd.“ mit Lizas Ehemann Max Robertson leiteten. Mit ihnen habe ich sehr oft die Klingen gekreuzt.

Ich habe meine Haare vor Frustration ausgerissen als sie, auf der Höhe des Erfolges der Popgruppe, NEUN Weihnachtsbühnenshows inszenierten. Alle waren von niedriger Qualität und fanden überall in England statt. Da ich der „Womble Mann“ war, war ich ziehmlich sauer mir vorzustellen, dass die Leute mich für die Shows verantwortlich machen würden. Und das taten sie auch. Es war schrecklich: billige Auftritte, schlecht dirigiert und mit einem Minimalbudget finanziert. Doch am schlimmsten war, dass sie die Vorstellung der Leute zerstörten, dass es sich um eine ganz spezielle Popgruppe handelte. Es gab neun Orinocos, neun Wellingtons, neun Bulgarias. Oh mein, Gott!

Uns erschien es (obwohl vielleicht auch nur UNS), als hätte man neun John Lennons und neun Paul McCartneys auf die Bühnen geschickt. Das Besondere, einer speziellen Popgruppe, war verflogen. Als Konsequenz, am Tag als die Berichte über die Shows in den Zeitungen erschienen (und es waren Titelseiten!) begannen wir das Rennen um die „#1 Weihnachtssingle“ mit „Wombling Merry Christmas“ zu verlieren. Unsere täglichen Verkaufszahlen halbierten sich und die Scheibe, die ständig auf Platz Zwei war, „Lonely This Christmas“ von Mud, überholte uns plötzlich und schnappte sich den Platz eins der Hitparade. In diesem Moment begann ich jegliches Interesse daran zu verlieren jemals wieder in meinem Leben ein Womble zu sein. Ich war eine Figur in einer Band namens „The Wombles“. Ich war „deren“ Hauptsänger. Würde ich dem je entkommen können? Wahrscheinlich nicht. So hörte ich also auf es zu sein und die Wombles verschwanden von den Bildschirmen und gleichzeitig kam der Verkauf von Merchandising Artikeln zum Erliegen.

Trotz all diesem hin und hers hatte ich weiterhin immer nur schöne Gespräche mit Elisabeth. Sie zog nach Alderney. Als ihre Kinder erwachsen waren trennte sie sich von ihrem sehr dominanten Ehemann Max und lebte bis zum Ende ihres Lebens auf der Insel.

Sie nannte mich immer „mein Liebling“, in einer Art wie man es wohl in einer Agathe Christie-Geschichte getan hätte. Ich war mir aber sicher, dass das nichts Besonderes war. Ich glaube, dass für Liza jeder „mein Liebling“ war. Ähnlich wie manche Leute andere ständig „Darling“ nennen. Sie selbst war auf jeden Fall ein Darling. Ab und zu schrieb sie mir. Sie hatte eine Menge Geld verloren – durch ihren Ehemann – dank eines Bankenszenarios mit der Lloyd Bank. Sie musste einige Jahre in ziehmlicher Armut leben.

Einmal besuchte ich sie auf Alderney, begleitet von ihrem Sohn Marcus, der ungefähr 13 war, als die Wombles in den Siebzigern „passierten“. Inzwischen war er erwachsen, hatte eine Frau und einen jungen Sohn namens Charlie, die uns begleiteten. Charlies Großmutter Liza war charmant wie immer, sehr mütterlich und wir verbrachten einige Tage miteinander und dachten über die bevorstehende, neue Wombles-Serie nach, die diesmal von ITV produziert wurde.

Vor kurzem sprach ich mit den voll erwachsenen Marcus und Kate, den beiden Kindern, die damals mit Liza an dem schicksalhaften Tag über die Wiese gingen. Jenem Tag, der deren Leben, das ihrer Mutter und auch meines veränderte. Wir sprachen über eine Neuauflage der Wombles. Niemand von uns war besonders begeistert über die Qualität des Remakes der kanadischen Firma vor ein paar Jahren und wir sprachen darüber, dass es etwas ganz besonderes sein müsse. Etwas, worauf auch Liza stolz wäre. Liza war damals schon sehr krank, konnte jedoch unsere Diskussionen verfolgen. Ich weiß, dass es Marcus gefallen hätte, wenn seine Mutter die neue, hochwertige Inkarnation der Wombles gesehen und den Spaß miterlebte hätte.

Leider kommt es nun nicht mehr dazu. Aber ich denke, dass Marcus und Kate ihre Mutter Elisabeth über unsere Fortschritte informiert hätten. Und nun, umso mehr, sehe ich es als meine Pflicht an, die Wombles wieder zu erwecken. In Gedenken an eine sehr spezielle Frau, die die Wombles erschaffen hat.