Wer sind die Wombles?

Die Wombles - neue Illustrationen vom Bloomsbury Verlag

Elisabeth Beresford

Die Autorin Elisabeth Beresford hätte sich vielleicht nie träumen lassen, dass eines ihrer Kinderbücher jemals so erfolgreich sein würde wie ihr Buch „The Wombles“. Dabei hatte es so harmlos angefangen.

Eines Tages ging sie mit ihren beiden Kindern Marcus und Kate über die Gemeindewiese „Wimbledon Common“. Doch die kleine Kate verstand immer „Womble-don“. Am Abend setzte sich Elisabeth Beresford hin und erschuf pelzige Wesen, die auf ihren Verwandten basierten. Die Wombles hatten die Aufgabe Müll zu sammeln und etwas Nützliches daraus zu machen.

In vielen kleinen Geschichten stellte das erste Buch die einzelnen Wombles vor, jede davon in sich abgeschlossen. In weiteren Büchern durften die Wombles dann schon mal ein durchgängiges Abenteuer erleben. Liebevoll erzählt und mit zahlreichen Illustrationen versehen wurde das erste Buch schnell erfolgreich.

The Wombles

Ihr Buch wurde in einer Sendung der BBC als Lesetipp vorgestellt und verkaufte sich so gut, dass die BBC eine Puppentrickserie in Auftrag gab. Die fünfminütigen Folgen wurden kurz vor den Sechsuhr-Nachrichten ausgestrahlt, wenn die ganze Familie vor dem Fernseher saß.

Der Puppendesigner Ivor Wood übernahm dabei nicht den Look der Wombles aus dem ersten Buch, in dem sie eher wie Teddybären aussahen. Stattdessen gab er ihnen lange Nasen und ließ sie so eher wie Nagetiere aussehen.

Die Musik zu der TV-Serie steuerte ein junger Komponist namens Mike Batt bei, der aus der einfachen Titelmusik einen ganzen Song machte und sich dabei von den Büchern zu einer Langspielplatte inspirieren ließ. Die Platte verkaufte sich sehr gut, sodass sowohl die TV-Serie, als auch die Wombles als Popgruppe in England immer bekannter wurden.

Im Mai 1974 sollten die „Wombles“ dann in der Auszählpause des „Eurovision Song Contest“ auftreten um Stadtbilder des Austragungsortes Brighton zu präsentieren. Eigens für diesen Auftritt schuf Batts Mutter Elaine  Kostüme, in die ihr Sohn und seine Freunde schlüpfen konnten.

Song Contest 1974: Vote for the Wombles!

Die Wombles wurden zu der Gruppe mit den meist verkauftesten Singles in Großbritannien. Mit Auftritten in „Top of the Pops“ und anderen Shows wurden sie immer populärer. Sogar in Deutschland traten die Wombles auf. In Sendungen wie „Disco74“ oder der ZDF-Starparade präsentierten sie ihren Song „Remember You`re A Womble“. Die Single hierzu erschien sogar in Deutsch („Die Wombles Sind Im Kommen“).

Beinahe hätte der Song „Wombling Merry Christmas“ in England sogar die Nummer 1 als Single zu Weihnachten geschafft. Nach insgesamt vier Alben und zahlreichen Singles trennte sich die Popgruppe.

Nachdem die BBC die Produktion der Puppentrickserie eingestellt hatte, wurde im Jahr 1977 noch ein Realfilm von der „Rank Organisation“ gedreht. Mit Kleindarstellern als Wombles (darunter auch R2D2-Darsteller Kenny Baker) und menschlichen Charakteren arbeitet der Film zwar episodenhaft einige Motive aus den Büchern auf, konnte jedoch nicht den Charme der Puppentrickserie erreichen.

Wombling Free - Doctor Who

Immerhin konnte man mit David Tomlinson und Frances De La Tour zwei renommierte Schauspieler gewinnen. Die junge Bonnie Langford, die die kecke Felicity Frogmorton spielte, wurde später als Begleiterin in „Doctor Who“ bekannt.

1998 erwarb der kanadische Sender CINAR die Rechte an den Wombles und produzierte vier weitere Staffeln der Puppentrickserie „The Wombles“. Die erste Staffel der zehnminütigen Episoden wurden im deutschen Kinderkanal ausgestrahlt. In der neuen Serie wurden neue Charaktere eingeführt und gleichzeitig die Themenpalette erweitert. Mit neuen Merchandisingprodukten versuchte man die Wombles auch wieder als Spielzeug in den Kinderzimmern unterzubringen. Leider verschwanden diese Produkte auch wieder so schnell, wie sie gekommen waren.

Zwei Jahre später veröffentlichte Mike Batt „The Wombles Collection“. Ein Doppelalbum, das die meisten der Songs enthielt. Dies war gleichzeitig das erste Album, das auf seinem neu gegründeten Label „Dramatico Entertainment Ltd.“ veröffentlicht wurde. Als Single erschien im gleichen Jahr eine spaßige Zusammenarbeit mit „Wizard“-Gründer Roy Wood. Dessen Song „I wish it could be christmas every day“ und der Song „Wombling Merry Christmas“ wurde zu dem Bandwurmtitel „I wish It Could Be A Wombling MerryChristmas Every Day“ zusammengefasst.

The Wombles with Roy Wood

Für einige Jahre wurde es still für die Wombles. Mike Batt kümmerte sich um junge Künstler wie „The Planets“, Florence Rawlings, Andrea McEwan und natürlich die grandiose Katie Melua. Dank ihrer erfolgreichen Alben und Touren wurde Dramatico zu einem erfolgreichen Label und ermöglichte es Mike Batt sämtliche Rechte an seinen eigenen Werken zurückzuerlangen. Darunter auch die Rechte an den Womblesongs.

Leider verstarb die Womble-Schöpferin Elisabeth Beresford am Heiligabend 2010. Sie kann daher nicht mehr miterleben, wie Mike Batt, in Abstimmung mit ihren Kindern, den Wombles neues Leben einhaucht. Im Sommer 2011 veröffentlichte Dramatico alle vier offiziellen Womblealben, sowie den Soundtrack zum Spielfilm „Wombling Free“. Ein Auftritt auf dem Glastonbury Festival im Sommer 2011 wurde von den Fans gefeiert.

The W-Factor

Im November 2011 veröffentlichte Dramatico ein neues „Beast of“- Album (kein Tippfehler) mit dem Titel „The W-Factor“ und spielt damit auf die zahlreichen Castingshows im Fernsehen an. Außerdem haben sich die Wombles zum Ziel gesetzt mit der Neuveröffentlichung ihrer Single „Wombling Merry Christmas“ die Nummer Eins in den Single-Charts zu werden und damit die Kandidaten aus X-Factor & Co. auf die hinteren Ränge zu verweisen.

Zur Zeit bereitet Mike Batt eine neue TV-Serie mit den Wombles vor, auf die auch Autorin Elisabeth Beresford „stolz sein würde“, wie er schreibt. Die Wombles freuen sich auf jeden Fall schon einmal über ihre neue Popularität. Gerade wurden sie in der Londoner City gesehen, wo sie für ihr neues Album Werbung machten.

The W-Factor